Ernst Schmidbauer mit Mikrofon im Interview

Vom Junkie zum Kiffer, vom Fixer zum Cannabis Patienten

Ernst Schmidbauer im Interview zur Drogensucht

Die Einstiegsdrogen Theorie besagt, dass man Marihuana raucht, es einem irgendwann zu schwach ist und der Umstieg auf Heroin vorprogrammiert ist. Ernst Schmidbauer ist nur einer von vielen, der vom Junkie zum Kiffer wurde. Er gehört sogar zu den anerkannten Cannabis Patienten, die ihr medizinisches Marihuana aus der Apotheke holen. Die Ärzte verschreiben es Ernst nicht als Substitution bei Heroinsucht, sie verschreiben es gegen seine Fibromyalgie. Dennoch hilft ihm dieses medizinische Marihuana auch als Substitution bei Heroinsucht. Ernst Schmidbauer wurde vom Fixer zum Cannabis Patienten. Im Interview geht es um Drogensucht, Knast, Therapie und seine Erkrankung.

Interview mit Ernst Schmidbauer zu seiner Heroinsucht und seinem Leben als Cannabis Patient

Von der Justiz in der Drogensucht festgehalten

Ernst ist nur einer von vielen, der einer Heroinsucht verfallen ist und berichtet, dass die Justiz einen in dieser fest hält. Wer über Jahre Heroin konsumiert, der kann nicht einfach von der Drogensucht auf Abstinenz umschalten. Es ist ganz normal, dass der Fixer sich seine Ersatzdroge sucht, um erst einmal aus dem Gröbsten raus zu kommen. Mit der Ersatzdroge Alkohol wäre einem jedoch nicht geholfen. Besser ist es, vom Junkie zum Kiffer zu werden. Wer gutes Marihuana hat, der kann seinen Suchtdruck ein wenig runterfahren und kann normaler leben. Ein paar Gramm Marihuana sind auch finanziell günstiger, als wenn es sich um Heroin handelt.

Es war ein Zeitpunkt, da hat Ernst Schmidbauer für sich beschlossen, mit dem Heroin aufzuhören, er konsumierte Marihuana gegen den Suchtdruck. Da griff ihn die Polizei auf, stellte ihn vor den Richter und dieser verhängte Auflagen mit Abstinenznachweisen. Nicht nur Cannabis Patienten wissen es, dass Cannabinoide über Wochen im Urin nachweisbar sind, Opiate jedoch in zwei bis drei Tagen abgebaut werden. Ernst konnte wegen den unangekündigten Urinkontrollen nicht kiffen, also nahm er wieder Heroin.

Bei der Drogenabhängigkeit geht es weniger um den körperlichen Entzug, als dass man nicht wieder rückfällig wird. Die Drogensucht ist im Kopf auch nach dem Entzug weiterhin vorhanden, mit etwas Stress geht der Drogensüchtige „wie ferngesteuert“ zum Dealer und holt sich Heroin.

Drogensucht im Knast, danach krank

Es kam, wie es kommen musste: Aufgrund der Beschaffungskriminalität mit Dealerei landete Ernst im Knast. Es gab nur wenig Drogen, aber bald wollte jeder welche. Als seine drogensüchtige Freundin starb, wollte auch Ernst sterben und setzte sich mit einer verunreinigten Nadel den goldenen Schuss. Es reichte jedoch nicht, es reichte jedoch, um ihn krankzumachen. Nach dem Knast und auch einer Drogentherapie entsagte Ernst Schmidbauer lange Zeit den Drogen und nahm Medikamente, bis er sie in der Stärke nicht mehr nehmen konnte. Deswegen fand er zurück zum Marihuana, er fand einen Arzt und erhielt den Status von einem Cannabis Patienten.

Zuerst waren nur zwei Häftlinge auf Heroin, später der ganze Flur. Es reichte nicht für die Abhängigkeit, aber alle waren gierig. Und alle wussten, wo sie nach ihrer Entlassung etwas kriegen können. Selbst wer wegen ganz anderer Dinge in den Knast ging, ging mit einer Drogensucht wieder raus.

Ernst Schmidbauer
Vom Junkie zum Kiffer, vom Fixer zum Cannabis Patienten

Vom Junkie zum Kiffer

Ernst ist nur einer von vielen, der vom Junkie zum Kiffer wurde. Wer so hart drauf gewesen ist, der kann seine Drogensucht nicht einfach abstreifen und ein langweiliges Spießerleben führen. Wer so hart drauf gewesen ist, der muss über Jahre Abstand zu seiner Drogensucht gewinnen. Marihuana rauchen kann einem dabei als Substitution bei Heroinsucht helfen, es muss nicht automatisch Methadon sein. Auch die Suchtberatung und eine Drogentherapie nach der Entzugsbehandlung können einem Fixer helfen. Komplette Abstinenz funktioniert bei den wenigsten sowie viele mehrere Anläufe brauchen.

Ernst hat es vom Junkie zum Kiffer geschafft und kann das im Interview ganz offen sagen. Er ist einer der Cannabis Patienten, die ihr medizinisches Marihuana aus der Apotheke holen. Seine Drogensucht mit Heroin liegt weit hinter ihm, er hat dazu Abstand genommen, es hat jedoch Jahre gedauert. Dabei wollte er gar kein Heroin nehmen, aber seine Freundin riss ihn mit rein in die Abhängigkeit und die Justiz hielt ihn im Drogensumpf fest.

Aus dieser Erfahrung mit den Drogen und der Repression setzt Ernst Schmidbauer sich öffentlich für die Legalisierung von Cannabis ein. Mit legalem Marihuana wäre es bei ihm und seinen Freunden möglicherweise nie so weit gekommen, dass sie auf Heroin umsteigen. Und selbst wenn, man hätte sie mit Hilfsmaßnahmen ohne Repression viel effektiver erreichen können.

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